Disruptive Thinking treibt Innovation und Wandel

Die Disruption der Lust (und vielleicht auch der Liebe?)!

Die Disruption der Lust (und vielleicht auch der Liebe?)!

oder: Wie die Sexindustrie gerade zur treibenden Kraft bei der Robotik wird!

(Achtung: In diesem Artikel geht es um Sex und Pornografie und Sexroboter – ach ja, und: um Digitalisierung und Disruption, nur dass Sie Bescheid wissen…)

Pornografie als technischer Treiber

Sex war und ist eine der großen treibenden Kräfte der Menschheit: Wo wären wir ohne Sex? Und im Kielwasser dieser Triebkraft (na, das Wort passt ja in diesem Kontext…!) gibt es seit jeher die Pornografie. Sie macht sich jede neue technische Entwicklung zu nutze für ihre Zwecke:

  • Kurz nach Erfindung des Buchdrucks war eines der am weitesten verbreiteten Bücher die Sonetti Lussuriosi von Pietro Aretino. Dabei handelt es sich um eine Sammlung von Sonetten, die zu Kupferstichen gefertigt waren und an deutlicher Sprache und Direktheit die körperliche Liebe und die Lust feierten. Heute würde man sagen: Pornobilder mit Pornogedichten…
    Es heißt, dass solche Bücher wichtiger waren für die Verbreitung der Druckerpresse, als die vielen gelehrten Abhandlungen, die ebenfalls erschienen.
  • Bereits kurz nach Erfindung der Fotografie erschienen die ersten pornografischen Bilder: Man konnte schließlich eine nahezu beliebige Anzahl von Kopien von einem Negativ machen, nun war es möglich, diese Bilder im großen Stil zu vertreiben.
  • Die Weiterentwicklung zum bewegten Bild heizte auch die Pornografie an: schnell waren kleine Filmchen mit eindeutigen Inhalten im Umlauf. 1977 erschien der erste Porno auf Video, erst ein Jahr später der erste Hollywoodfilm…
  • Und ebenso nutzte die Pornografie die ersten BTX-Bildschirmtext-Möglichkeiten, BTX-Porno-Anzeigen.
  • Die Pornobranche war auch eine der großen treibenden Kräfte beim Thema Bandbreite: Der Bedarf an großem Datendurchsatz wurde durch die Möglichkeit angeheizt, echte Filme eindeutigen Inhalts ruckelfrei ansehen zu wollen…

Die Geliebte aus Silikon und Silizium?

Und heute? Die Pornoindustrie schickt sich gerade an, ein weiteres Mal zur treibenden Kraft technologischen Fortschritts zu werden. Zumindest beschleicht einen dieser Gedanke, wenn man die diversen Meldungen in den Zeitungen liest:

Sind also Sexroboter das „next big thing“?

Nun – wahrscheinlich sind sie es nicht wirklich – aber ich gehe davon aus, dass sie ihren Beitrag dazu leisten werden, Roboter in unserem Alltag akzeptabler zu finden. Wenn zunächst jetzt die Kontaktarmen, Schüchternen, Soziophoben oder die Beziehungsunfähigen beginnen, ihre Sexualität mit und an Robotern auszuleben, ist der Weg nicht weit, dass sie das irgendwann als einen Ersatz für echte Beziehungen sehen. Vielleicht zunächst nur als Ersatz, später dann als adäquate Alternative und schließlich vielleicht auch als die wahre Liebe?

Denn anders als im wahren Leben kann ich mein Modell ja programmieren: Auf welchen Wunsch auch immer, auf welches Verhalten auch immer. Ermöglicht das vielleicht sogar befriedigendere Beziehungen nicht nur im sexuellen Bereich? Denn die Maschine weiß ja genau, was ich will… Und wann… Und wie…

Wenn der Sexroboter alle Wünsche erfüllt…

Und wenn dann diese Menschen erst im Fernsehen und dann in den anderen Medien zunächst als Curiosa auftauchen, über die als Exoten berichtet wird – keimt dann beim Einen oder Anderen der Gedanke, sich mit diesem Thema mal genauer beschäftigen zu wollen? Schließlich ist das mit dem Sex in der eigenen Beziehung durchaus schon ein wenig eingeschlafen in den letzten Jahren und man könnte das ja mal ausprobie…

Vielleicht gibt es auch im ersten Schritt Bordelle, die diese Puppen als Ergänzung zum „normalen Angebot“ mit in ihr Portfolio aufnehmen. So kommt dann der Eine oder Andere zum ersten Mal in Kontakt mit diesen Sexpuppen… (Das halten Sie für unrealistisch? Ich nicht – leider… Nach einer Schätzung des Bundesfamilienministeriums aus dem Jahr  2001 gehen etwa 1.200.000 Männer täglich ins Bordell. 1,2 Millionen! Jeden Tag! Allein in Deutschland!)

So wie die schleichende Pornografisierung seit Erfindung des Internets in unseren Alltag Einzug gehalten hat, könnten dann die Sexroboter die ersten menschenähnlichen Maschinen sein, die wir in unsere Haushalte lassen. Zugegeben: wahrscheinlich erstmal in männliche Single-Haushalte…

Die Sex-Schlampe, die die Wohnung sauber macht

Und vielleicht entwickelt dann der erste Hersteller ein Modell, das nicht nur sexuell zu Diensten ist, sondern auch die Wohnung säubert, die Wäsche wäscht… Zumindest für den Typus Mann, der ohnehin nicht mehr von einer Beziehung erwartet als regelmäßigen Sex und eine saubere Wohnung, wäre das doch eine bedenkenswerte Alternative…!? Also für geschätzte 92% der Männer…  😉

Die Frage ist also nicht ob, sondern wann die ersten Roboter auf unserem Sofa sitzen werden…

Digitaler Orgasmus auf dem Sofa

Für den Ingenieur Sergio Santes aus Barcelona ist dieses Szenario schon Wirklichkeit geworden: Er hat im Frühjahr 2017 einen Sexroboter vorgestellt, der nicht nur alles mitmacht, was der anspruchsvolle Single-Mann sich so im Bett wünscht. Das neue Modell kann sogar sprechen und – als besonderer Clou – auch gestreichelt werden…

Ja, um es noch perfekter zu machen: Sie muss zunächst im Romantik-Modus sanft berührt werden (das kann der wissende Nutzer gerne an der Hüfte, den Schultern und den Händen tun) und dank spezieller Rezeptoren reagiert sie dann entsprechend. Und wenn der Nutzer dann alles richtig macht, bekommt die Dame seines Herzens dann sogar einen Digitalen Orgasmus. Da schau einer an!

Ich vermute mal, es wird nicht lange dauern, bis erste Hacks die Möglichkeit bieten werden, diesen lästigen Romantik-Modus zu überspringen und gleich zur Sache zu kommen – ich kenne doch mein eigenes Geschlecht…

 

Was macht das mit uns eigentlich?

Aber Scherz beiseite! Die eigentlichen Fragen, die sich in diesem Zusammenhang stellen, sind doch ganz andere. Egal, ob wir davon sprechen, dass jemand seine sexuellen Gelüste mittels eines Roboters auslebt oder davon, dass andere einen Roboter für´s Geschirr einräumen und Gardinen waschen nutzen: Früher oder später werden diese Mensch-Maschinen immer intelligenter, immer menschenähnlicher. Und wir gewöhnen uns an sie. Irgendwann werden sie vielleicht ganz ähnliche Familienmitglieder wie der Hund oder das Meerschweinchen.

Und irgendwann werden wir vielelicht mit ihnen scherzen und lachen, schließlich haben wir uns von Amazon die Witze-Skill besorgt und aufgespielt und werden jetzt jeden Morgen nicht nur mit frisch aufgebrühtem Kaffee am Frühstücktisch empfangen, sondern auch mit einer Hand voll motivierender Witze, die uns den Start in den Tag versüßen.

Und spätestens dann, werden sich die ersten einfach strukturierten Personen in dieses wundervoll-fürsorgliche Wesen verlieben: Lachen ist schließlich eine Autobahn ins Herz!

Aber kann es das überhaupt geben? Liebe für Automaten?

Mit Lust fängt´s an – mit Liebe geht´s weiter?

Aber sind das überhaupt noch Automaten, wenn sie sich verhalten wie Menschen und in uns Gefühle erzeugen wie Menschen?

Und was ist der Unterschied zwischen einem Glücksgefühl, das ich einem Menschen gegenüber empfinde und dem Glücksgefühl, das ich einem Mix aus Drähten, Silizium und Silikon gegenüber empfinde?

An dieser Stelle zum Vergleich gefragt: Was ist der Unterschied zwischen der Liebe zu einem Menschen und einem Hund? Zwischen der Liebe zu einem Menschen und einem Goldhamster? Zwischen der Liebe zu einem Menschen und einem Goldfisch? Zwischen der Liebe zu einem Menschen und der zu einem Auto? Wie groß ist der Unterschied zwischen der Liebe zu einem Wesen (Goldfisch) und einem Ding (Auto)? Und gibt es überhaupt einen? (Fragen Sie da mal einen Autofreak…!)

Und also: Was ist der Unterschied, zwischen der Liebe zu einem Goldfisch und der Liebe zu einem Roboter? Ist da der Roboter nicht doch irgendwie intelligenter, schlauer, lebensnäher? „Menschlicher“?

Wann akzeptieren wir die Liebe zu Maschinen?

Wann werden die ersten Menschen sich in Roboter verlieben? Und wann werden die ersten Menschen diese Maschinen als ihre Partner ansehen? Und wann werden sie sie heiraten wollen? Und wann kann man sich dann wie scheiden lassen? Einfach ausschalten und in den Keller stellen?

Fragen, die sich jetzt scheinbar scherzhaft im Zusammenhang mit den Sex-Robotern stellen, werden sich in 10, 15, vielleicht 20 Jahren tatsächlich stellen: Was darf ein Roboter, was nicht? Hat er Rechte? Können Maschinen zu Partnern werden? Wenn wir sie vielleicht irgendwann mal emotional als Partner sehen – erhalten sie dann auch einen offiziellen Status? Kommt irgendwann die Ehe für alle (inklusive Maschinen)?

Schwierige und provokante Fragen, gewiss. Auch wenn manche davon noch reichlich absurd klingen mögen.

Aber ich bin überzeugt, dass sich diese Fragen in der einen oder anderen Form in absehbarer Zeit stellen werden. Denn die Roboter werden von den Fabriken in die Haushalte ziehen. Zunächst sehen sie vielleicht nur wie ein lustiger Roboter aus, der das Frühstück zubereitet. Aber dann wird es Modelle geben, die irgendwann von der Küche ins Schlafzimmer wandern.

Auf dem Sofa von Sergio Santes sitzen sie ja schon… Die Digitalisierung der Liebe hat begonnen!


P.S.: Wer bereits jetzt schon eine gefühlvolle Gefährtin mit künstlicher Intelligenz und willigem Willen für´s Sofa sucht, der kann sie im Online-Shop schon für ab 1700 € kaufen und sich zu den First Movern zählen. Ironielampe aus…